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“The Beauty of Time” Rosendahl, Thöne & Westphal – Galerie und Kunsthandel

 
 

Das Medium Fotografie, so heißt es immer wieder, ist das Medium der Zeit – Fotografie macht Zeit sichtbar. Soweit nicht ungewöhnlich, doch ganz ungewöhnlich, wie André Wagner den fotografischen Zeitfluss in geheimnisvolle Schönheit verwandelt. „The Beauty Of Time“ heißt die Ausstellung des 1980 geborenen Berliners, die ab dem 17. Juni bis zum 9. Juli in der Galerie und Kunsthandel Rosendahl, Thöne & Westphal auf dem Kurfürstendamm zu sehen ist. In einer renommierten Galerie, die sich sonst auf hochkarätige Positionen der klassischen Moderne, des Surrealismus und der neuen figurativen Kunst konzentriert – und jetzt erstmals einen jungen Fotografen zeigt.

André Wagners Fotografie ging von Anfang an über eine rein dokumentarische Wirkung, über die Abbildung der Realität hinaus. Das Licht, so scheint es, führt ein magisches Eigenleben auf seinen Landschaftsbildern, den Seestücken und urbanen Ansichten. Es braucht Zeit für diese Fotografien. Oft mehrere Stunden muss André Wagner belichten, die Zeit ist fundamentaler Teil seiner künstlerischen Arbeit. Felsen im Meer, eine nächtliche Straße, ein einsames Waldstück bei Nacht: In seinen Bildern ist die fotografierte Zeit konserviert – eine Grundkonstante des Mediums, doch auch im 21. Jahrhundert manchmal noch von geheimnisvoller Faszination. „Das abgebildete Licht ist mein Weg durch die Zeit“, sagt André Wagner.

Waren es am Anfang seines Schaffens vor allem Urwälder, Urlandschaften, die ihn interessiert haben, Ur-Elemente wie Feuer, Wind, Wasser und Erde, so zeigt Wagner in seinen neuen Arbeiten nun die vom Menschen berührte Landschaft. Auch diesen neuen Bildern ist eine unheimliche Spannung stets eingeschrieben.

Das, was die Filmwissenschaft als „Suspense“ bezeichnet, als ein ständiges „in Unsicherheit schweben“, steckt in den Fotografien von André Wagner. Eine dramatische, schwebende, Spannung, die ihre Vorbilder im Kino findet – und auch in der Literatur. Es geht ein Sog von seinen Bildern aus, ein Strudel, in dem man verloren gehen kann, denn vieles ist hier nicht so, wie es scheint.

André Wagner empfindet selbst diese besondere Spannung, wenn er fotografiert. Über die Entstehung der Arbeit „Harwood Hole“ schreibt er: „Es ist mitten in der Nacht. Vor ein paar Stunden war ich schon mal hier und habe diese Stelle entdeckt. Hier sieht es aus, als seien Bäume und Gestein ineinander verwachsen. Jetzt kann man die Hand kaum vorm Auge sehen und jegliche Zivilisation ist meilenweit entfernt. Ich betätige den Drahtauslöser meiner Kamera und gehöre in den nächsten Minuten nur mir und der Dunkelheit. Ein leichter Wind geht und verfängt sich in den Wipfeln der Bäume. Es knackt leise, ich schaue nach oben, aber der Wald ist zu dicht, als das man den Himmel sehen könnte. Irgendwo singt ein Vogel. Es raschelt neben mir … “ Betrachtet man seine Bilder, meint man bisweilen, so ein nächtliches Rascheln zu hören.

Eine andere großformatige, im Jahr 2011 entstandene Langzeitbelichtung aus der Serie „Searching“ nennt André Wagner „Opening“. „In dieser Serie geht es um die Suche nach Glück im Bereich der materiellen Welt“, sagt er. Aufgenommen im Flughafen Tempelhof bei der Eröffnung der „Bread and Butter“-Modemesse, zeigt das Bild die Messebesucher als bewegten Menschenschwarm, als Menschen-Welle. „Vergänglichkeit, Lebensfluss und Sinnsuche sind Themen, die mich in der Fotografie interessieren.“

Die Fotokunst von André Wagner ist doppelbödig, trägt surreale Züge, will, ganz im romantischen Sinn, die Grenzen zwischen Realität und Phantasie, zwischen Traum und Wirklichkeit überwinden. Dennoch liegt dem Künstler daran, zu betonen, dass er das Terrain des Authentischen niemals ganz verlassen will. „Meine Bilder vermitteln genau das, was Natur ist“, sagt er – und rückt dabei ganz nah an das Wesen der Dinge. Bilder, welche die Schönheit der Zeit visualisieren. Subjektive, wunderbare Bilder, die uns staunen lassen.

Text: Marc Peschke

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