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Kunstmuseum Moritzburg / Reflections of India / 24.07 – 15.10.2017

 
 

24.07.2017 | 15.10.2017 | Nordflügel

Reflections of India
André Wagner, Manjari Sharma, Manfred Paul | Fotografien
Thomas und William Daniell, James Wales und
Henry Salt | Radierungen
Buddha Amitayus

Indien ist ein Land der Farben, der Götter verschiedenster Religionen, alter Traditionen und moderner Entwicklungen. Die Ausstellung Reflections of India zeigt mit zeitgenössischen Fotografien wie in einem Kaleidoskop Ansichten von einem Land, dessen spirituelle Prägung noch immer lebendig ist und dessen Faszination gerade für Künstler bis heute ungebrochen ist. In der Schau begegnen sich die Werke dreier Fotografen aus Deutschland und den USA: die während der letzten mehr als zehn Jahre entstandenen, großformatigen farbigen Tableaus von André Wagner (*1980 in Burgstädt, lebt in Berlin); die 1989 entstandene und nun erstmals veröffentlichte Indien-Serie von Manfred Paul (*1942 in Schraplau bei Halle [Saale], lebt in Berlin) und die 2010/13 entstandene Serie Darshan der gebürtigen Inderin Manjari Sharma (*1979 in Mumbay, lebt in New York).

André Wagner reiste 2004 zum ersten Mal mit 108 Filmen („einer mystischen Zahl“) und seitdem immer wieder nach Indien, das seine Wahrnehmung von Zeit und Raum, von Moment und Ewigkeit, sein Denken und Sehen veränderte. Konzentriert auf die Kraft spiritueller Energien hat sich André Wagner in den letzten Jahren verstärkt Pilgerern und heiligen Orten zugewandt. Seine großformatigen Fotografien übersetzen mit der modernsten fotografischen Technik und ihrer Anwendung zwischen Moment- und Langzeitaufnahme die der hinduistischen Religion innewohnende überzeitliche Dimension in das fotografische Bild. Wagners Fotografien führen in eine Bildwelt, in der sich Tradition und Gegenwart, Zeit und Raum überlagern. Seine Bilder verweisen auf die Tiefe der Geschichte, aus der religiöse Praktiken und Vorstellungen bis in unsere Tage reichen, denen viele Menschen in Indien ungebrochen folgen.

Manfred Paul zählt zu den wichtigsten Vertretern der Autorenfotografie in Deutschland. 1989 bereiste er mit einer Gruppe von Künstlern aus der DDR Indien. Wie in seiner bis dahin entstandenen, von einem differenzierenden und kultivierten Sehen geprägten Schwarz-Weiß-Fotografie erfasste er damals mit sensiblem und zugleich präzisem künstlerischem Blick in Indien Menschen, alltägliches Leben auf den Straßen und in ländlichen Gebieten bei aller Fremdheit ohne verklärende Exotik. Seine Fotografien aus Indien sind Ansichten einer Tiefendimension, die sich in den Hinterhöfen des Prenzlauer Bergs in Berlin ebenso wie in seinen Ansichten aus einem fremden Land und dessen Menschen wiederfindet.

In aufwändigen, sorgfältig hergestellten Settings, die den aus mythischen Erzählungen gespeisten traditionellen Darstellungen folgen, inszenierte und fotografierte Manjari Sharma indische Gottheiten. Die 2001 aus Indien nach New York übergesiedelte Künstlerin setzt sich in dieser „Re-Kreation“ nicht nur mit traditionell und religiös fundierten, sondern auch mit Bildwelten der populären Bollywood-Ästhetik auseinander, wie sie die moderne indische Film- und Medienindustrie verbreitet. Darshan bedeutet „Erscheinung“, „Abglanz“. Sharmas Foto-Serie verweist damit auf den auch im modernen Indien noch immer im täglichen Leben anwesenden vielgestaltigen, erzählfreudigen und nicht selten auch zum Aberglauben tendierenden Glauben und zugleich auf ein inzwischen in aller Welt verbreitetes Phänomen der Moderne: die Flut medial erzeugter Bilder, die die Wahrnehmung von Realität grundlegend irritieren und verschieben.

Diese Hauptausstellung im ersten Obergeschoss des Nordflügels der Moritzburg wird begleitet von Leihgaben aus einer Privatsammlung: Ansichten indischer Heiligtümer und Landschaften aus dem 18. Jahrhundert von Thomas und William Danniels, James Walt und Henry Salt, die als die ersten europäischen Indien-Reisenden unser Bild von dem fernen Subkontinent prägten. Ergänzt wird die Ausstellung ferner von indischem Schmuck und Exponaten aus den Sammlungen des Kunstmuseums Moritzburg Halle (Saale), womit an die Anfänge des musealen Sammelns in Halle (Saale) vor mehr als hundert Jahren erinnert wird. Eine weitere begleitende Präsentation umfasst eine Gruppe von Buddha-Figuren aus einer Privatsammlung, in deren Zentrum ein Buddha Amitayus von höchster Qualität gezeigt wird, der durch die Bodenreform in das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) gelangte und nun erstmals öffentlich ausgestellt wird.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation im Verlag Janos Stekovics.