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Photopresse 20.10.2010

 
 

André Wagner (*1980, Chemnitz) bedient sich virtuos der Kameratechnik, geht raffiniert mit Beleuchtungssituationen um und inszeniert Portraits und Landschaftsbilder bis ins kleinste Detail. Ausstellungen führten den jungen Fotografen bereits durch Europa, nach China, Neuseeland und die USA. In seiner dokumentarischen Praxis geht Wagner konzeptuell vor. Mit seinen beiden 2010 entstandenen Serien fordert er den Betrachter heraus, sich seinem Werk intuitiv zu nähern, um sich dann in einem Universum von philosophischen Verknüpfungen zu bewegen.

Mit sicherem Gespür für die „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ (Ernst Bloch) fängt André Wagner Momente von Gegenwärtigkeit ein, die sich in der Atmosphäre des Raumes bestimmen. Zudem nähert er sich mittels des Mediums Fotografie der Malerei an. Seine großformatigen, detailreichen und stark kontrastierenden Bilder lassen einen Eindruck von „Altmeisterlichkeit“ entstehen.

Über den Dächern imposanter Großstädte hat Wagner Menschen in stiller Meditation beobachtet. Das behutsam komponierte Portrait eines Mannes auf dem Dach des Berliner Neuen Museums („Inside view“) verweist durch die extrem lange Belichtungszeit auf die Anfänge der Portraitfotografie. Dem gegenüber steht die Serie „Standby“, die in das farbige Licht flackernder Bildschirme getauchte private und öffentliche Gemächer thematisiert. Wiederkehrende Elemente lassen dabei die regulierende Kraft der Raumordnung deutlich werden. In der Gegenüberstellung beider Serien untersucht Wagner jene inneren und äußeren Phänomene einer Situation, ohne diese Reize jedoch zu bewerten. So scheint jeder einzelne Moment mit Inhalten aufgeladen, die sich über die rein ästhetische Botschaft hinweg erheben.

Im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie Berlin 2010 veröffentlicht der Verlag Darling Publications, Köln den Katalog von André Wagner „Twilight Views“. Die erste Auflage ist auf 100 Exemplare limitiert, signiert und nummeriert mit einem Essay von Arne Rautenberg, Kiel. Wie immer erscheinen dazu die begehrten Vorzugsausgaben in einer sehr kleinen Auflage (9 + 3 AP und 3 + 1 AP) Im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie Berlin, kuratiert von Nicole Loeser