ART Karlsruhe 2016

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Pressetext Die Galerie Westphal Berlin präsentiert in ihrer ausgewählten solo show „one artist“ auf der ART Karlsruhe 2016 (Halle 2) die jüngste Serie Pilgrims des Berliner Künstlers André Wagner. Im Unterschied zu früheren Werkphasen, in denen er sich mit Natur- und Stadtlandschaften beschäftigt hat – steht der Mensch im Zentrum seiner Arbeit.

Diese Serie zeigt die intensive, seit über zehn Jahren andauernde Auseinandersetzung des Künstlers mit der Kultur Indiens und seiner vielfältigen Religionen. In mehreren Reisen entwickelte er ein Gespür und Verständnis für das Land und seine, von unseren europäischen Vorstellungen stark differierenden Lebenswelten. Sein Blick jedoch sucht nicht das Fremde, sondern das Gemeinsame und Verbindende, das er in der Begegnung und Erfahrung mit den Menschen auf seinen Reisen gemacht hat: Denn auch sein eigener, intensiv physischer Einsatz, wie seinen Fußmärschen mit den Pilgern auf ihrem Weg zu heiligen Städten, sowie die extrem lange Belichtungszeit seiner analog entstandenen Arbeiten, sind spürbar Teil seines visuellen Begreifens vom kulturellen und topografischen Raum.

Diese besondere Atmosphäre in André Wagners Fotoarbeiten wurde bereits mit dem Magischen Realismus der 20er Jahre in Verbindung gebracht, der die Verschmelzung von greifbar rationaler Wirklichkeit und magischer Realität wie Halluzinationen und Träume – betreibt. Wagner entwickelt gleichsam eine „dritte Realität“, eine Synthese aus den uns geläufigen Wirklichkeiten. Wichtigstes künstlerisches Mittel dafür ist die Lichtregie in den Arbeiten. Häufig fotografiert der Künstler in der Nacht – wie in den Fotografien Pilgrims at Govardhan (2014) oder mit Bezug zur Architektur wie dem offenen Gewölbe der Tempelanlage in Pilgrim Familiy (2011) – mit LangzeitbelichtungenMal ist das Licht schlaglichtartig oder diffus als malerisches Chiaroscuro à la Leonardo wie in Coming back from Yamuna River (2011). Die verhüllten Frauen in ihren prächtigen Gewändern steigen die Treppen vom heiligen Fluss hinauf. Das fast physisch spürbar Rätselhafte dieser Arbeit entsteht durch die Darstellung von Zeit, indem die Pilgerinnen performativ aus dem Dunkel ins Licht hervortreten. Erst dadurch werden sie in der Atmosphäre greifbar. Auch in den Arbeiten Radha Raman Temple (2014), das den farbintensiven Pigmentwurf während des berühmten indischen Holi-Farbfestes festhält und in der Arbeit vom New Yorker Taxi (2010) wird Zeit aus Licht und Bewegung zum wichtigsten Element der Arbeiten.

André Wagner wurde 1980 in Burgstädt geboren. 2001 schloss er seine Ausbildung zum Fotografen ab, seit 2004 lebt und arbeitet er in Berlin. Seine Werke werden regelmäßig im In- und Ausland ausgestellt und sind in internationalen Sammlungen wie der Rothschild Kunstsammlung in Zürich vertreten. 2013 wurde auf der Venedig Biennale die Arbeit Coming back fom Yamuna River gezeigt. Im gleichen Jahr hatte er gleich zwei Einzelausstellungen auf der Kunst Zürich wo er für den Zürcher Advancement Art Award nominiert war. 2014 präsentierte er in einer Einzelausstellung auf der Photokina ausgewählte Arbeiten seiner Monografie Visions of Time

Text: Dr. Heike Fuhlbrügge